POTSDAM - An guten Ideen mangelt es Unternehmen in der Region nicht. Aber die für die Finanzierung gestellten Förderanträge werden zu lange geprüft, klagen sie.
Auf ein Weihnachtsgeschenk wird Frank Iden vermutlich vergeblich warten. Vor einem Jahr - ebenfalls kurz vor den Feiertagen - hatte der Mitgründer der Potsdamer Firma GDI International einen Förderantrag bei der Brandenburgischen Investitionsbank (ILB) gestellt. "Für neue Geodaten-Geschäftsmodelle brauchen wir neue Werkzeuge der Informationstechnologie", sagt der Software-Experte. Allerdings wartet er noch heute auf einen Bescheid. Für Iden dauert das zu lange: Die Wartezeit sorge dafür, "dass wir das, was wir entwickeln wollten, bereits von jemand anderem auf dem Markt finden".
Iden steht mit seiner Kritik nicht allein. Bei einer Veranstaltung der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) zur Geoinformationswirtschaft am Donnerstagabend in Potsdam musste sich Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) ähnliche Vorwürfe anhören. "Wir müssen schnell am Markt sein, sonst werden wir von der Entwicklung überrollt", so Peter Hecker vom Kompetenznetzwerk Geokomm Berlin-Brandenburg.
Damit seien lange Wartezeiten bei Förderanträgen unvereinbar. Sonst könnten Standortvorteile, die die Region durch die vorhandenen Forschungsinstitute rund um Geodaten habe, verspielt werden. Die Aufbereitung solcher Daten - etwa von Luftbildern oder Wettermessungen - gilt als eines der zukunftsträchtigsten Geschäftsfelder der Mark. Geokomm wartet laut Hecker seit vielen Monaten auf den Bescheid über die Förderung eines Assistenten für Technologietransfer.
Die EU hat bereits 2003 in einer Richtlinie die wirtschaftliche Weiterverwendung von Informationen der öffentlichen Hand angeschoben. In Deutschland wurde sie aber erst 2006 mit dem Informationsverwendungsgesetz umgesetzt. "Deutschland
hat da eine gänzlich andere Kultur", sagt Hecker. In anderen EU-Staaten sei man bereits wesentlich weiter - und das gehe mit großem wirtschaftlichen Erfolg einher. In Großbritannien würden zum Beispiel allein auf dem juristischen Markt mit der
Verwertung von Behördenwissen jährliche Umsätze von 1,4 Milliarden Euro erzielt, so Hecker.
"Wir wollen die Branche voranbringen, sonst hätte ich mich nicht für die Gründung des Netzwerks engagiert", sagte Junghanns. Anträge zur Förderung mit Steuergeldern müssten aber genau geprüft werden. So begründet auch die ILB die Dauer. Sprecher Matthias Haensch: "Wir haben Richtlinien, die das Prüfungsverfahren vorgeben."