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GEOkomm networks in der Presse

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet in mehreren Beiträgen über die Aktivitäten des Netzwerkes, von Gerald Dietz

Ungenutztes Wissen ist viel Geld wert, 05.12.2007
Datenverwertung Unternehmen wollen Informationen von Behörden vermarkten

POTSDAM - Unmengen behördlich erhobener Daten schlummern derzeit nur in den Archiven. Die Privatwirtschaft will sie sich zu Nutze machen.

Im vergangenen Sommer brannte das Thema besonders Bauern in Brandenburg auf den Nägeln. Nach Trockenheit im Frühjahr setzte Dauerregen den Resten der spärlichen Ernte zu. Klimaversicherungen gegen solche Einbußen, wie es sie in anderen Ländern gibt, sind hierzulande noch die Ausnahme. Das könnte sich ändern, meint Dennis Schulze vom Verband Deutscher Wetterdienstleister (VDW). Voraussetzung für die Entwicklung von solchen Klimaversicherungen seien aber unter anderem historische Wetterdaten, wie sie vom Deutschen Wetterdienst (DWD) archiviert werden. Private Wetterdienstleister würden diese Informationen gerne für Versicherungen gegen Bezahlung aufbereiten. "Dafür sollte der DWD die Daten unentgeltlich zur Verfügung stellen", sagt Schulze.

Das Wissen über das Wetter ist dabei nur ein Beispiel für viele andere Daten, die von Behörden in Massen erhoben werden - und vom Steuerzahler bereits finanziert sind. Dazu gehören juristische Gutachten, Luftbilder oder Karten. Die meisten verstauben nach amtlichem Gebrauch ungenutzt in Archiven.

"Die amtlichen Daten haben ein großes Potenzial wirtschaftlicher Verwendung", sagt Peter Hecker, Chef des Verbandes der Geowissenschaften Berlin-Brandenburg (Geokomm), in Potsdam. Geokomm, dem viele Firmen angeschlossen sind, die sich der Verwertung geologischer Informationen verschrieben haben, organisiert morgen in Potsdam die erste Konferenz in Deutschland, die sich mit den Nutzungschancen dieser Daten befasst.

Die EU hat bereits 2003 in einer Richtlinie die wirtschaftliche Weiterverwendung von Informationen der öffentlichen Hand angeschoben. In Deutschland wurde sie aber erst 2006 mit dem Informationsverwendungsgesetz umgesetzt. "Deutschland hat da eine gänzlich andere Kultur", sagt Hecker. In anderen EU-Staaten sei man bereits wesentlich weiter - und das gehe mit großem wirtschaftlichen Erfolg einher. In Großbritannien würden zum Beispiel allein auf dem juristischen Markt mit der Verwertung von Behördenwissen jährliche Umsätze von 1,4 Milliarden Euro erzielt, so Hecker.

"Das Potenzial ist gewaltig", meint Michael Fanning von der Unternehmensberatung Online Consultants, die sich mit den Vermarktungschancen befasst. Allein mit der Verwertung von Geodaten ließen sich seiner Schätzung nach in Deutschland jährlich Umsätze von zwei Milliarden Euro erzielen und 15000 Jobs schaffen.

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Im Ausland laufen die Geschäfte bereits prächtig, 05.12.2007

Vorreiter bei der Verwertung behördlich erhobener Daten war vor fünf Jahren das Münchner Unternehmen On-Geo. Die Firma bereitet durch die Bundesländer erstellte Luftbilder und Karten für Banken und Immobilienunternehmen auf.

Echte Verwendungen sind indes bislang eher Einzelfälle, obwohl sich eine Vielzahl privatwirtschaftlicher Vermarktungen anbieten. Im Rahmen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung über die Auswirkungen der Informationsfreiheit wurde eine Reihe von Beispielen aus anderen Ländern gesammelt. In den USA sind demnach einzelne Unternehmen ausschließlich damit beschäftigt, aktuelle branchenspezifische Regulierungsentscheidungen oder Durchführungsbestimmungen von Behörden zu sammeln, und an die davon betroffenen Firmen weiterzugeben.

In Großbritannien sind der Untersuchung zufolge Firmen tätig, die amtliche Umweltdaten dazu nutzen, um die größten Ökosünder ausfindig zu machen. Diesen Verschmutzern werden dann Abwasserfilter und andere Schutzanlagen angeboten.

Die EU hat selbst Beispiele für eine Nutzung genannt. Demnach ließen sich Wetterdaten als Teil eines Infoservices für Mobiltelefone nutzen, digitales Kartenmaterial könnte für Logistikunternehmen aufbereitet werden. Und Verkehrsdaten ließen sich zum Aufbau von Navigationssystemen zur Vermeidung von Staus gebrauchen.

Im Sommer 2007 wurde durch die EU eine Übersetzungsdatenbank mit Millionen von Begriffen zugänglich gemacht, die etwa bei der Entwicklung von Software für Übersetzungsbüros einsetzbar ist.

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Bevorzugter Standort, 08.12.2007

Die Region Berlin-Brandenburg ist wegen der vielen einschlägigen Forschungseinrichtungen ein bevorzugter Standort für Firmen, die mit der Aufbereitung von Geodaten ihr Geld verdienen. Mittlerweile sind hier nach Angaben des Branchenverbandes Geokomm bereits 2000 Unternehmen auf diesem Geschäftsfeld aktiv.

Auch größere Unternehmen nutzen die Vorteile. Seit dem Sommer ist etwa die Potsdamer Niederlassung der EADS-Tochter Infoterra auf 60 Beschäftigte angewachsen. Von Potsdam aus werden Radardaten des im Juni 2007 gestarteten Satelliten Terrasar-X vertrieben, der ein Projekt der EADS-Tochter Astrium und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ist. Energieversorger nutzen die Radarbilder zum Beispiel für die Planung von Leitungstrassen.

Die Firma Rapideye ist bereits seit 2006 mit 40 Beschäftigten in Brandenburg/Havel ansässig. Sie will vom Jahr 2008 an mit Hilfe von fünf Satelliten Daten für die Land- und Forstwirtschaft liefern.