Satellitenzentrum für Potsdam [ 09.05.2007 ]
Das Geoforschungszentrum Potsdam plant mit dem DLR Bodenstationen für Galileo-Daten, Potsdamer Neuste Nachrichten, 09.05.2007
Ein Zentrum für Galileo-Hochpräzisionsprodukte will das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Potsdam und Neustrelitz etablieren. Wie der GFZ-Vorstand Prof. Rolf Emmermann den PNN sagte, sollen in der "Bodenstation" Daten von den 30 zukünftigen Galileo-Satelliten aufbereitet und so "veredelt" werden, dass beispielsweise Positionsmessungen mit Zentimeter- und Millimeter-Genauigkeit möglich sind.
Das europäische Galileo-Satellitennavigationssystem soll in Zukunft eine Alternative zum amerikanischen GPS-System werden. Momentan ist allerdings noch nicht geklärt, wer in Europa welche Aufgaben übernimmt, die Finanzierung steckt in der Krise. Das GFZ arbeitet gegenwärtig auf wissenschaftlichem Gebiet noch mit GPS-Daten, ist aber bereits in den Aufbau des Galileo-Systems involviert.
Daneben will man nun auch Firmen aus der Geoinformationsbranche die Daten des Systems zugänglich machen. "Wir wollen unser Know-how einsetzen, um diese Produkte noch weiter zu verbessern und gemeinsam mit Partnern aus der Industrie neue Anwendungsbereiche in der kommerziellen Nutzung zu entwickeln", so Emmermann. Dazu würden zahlreiche Anwendungen in der Verkehrssteuerung, in der Bau- und der Landwirtschaft oder auch bei der Navigation von Schiffen in Häfen wie auch im Flugverkehr gehören.
"Für vergleichsweise wenig Fördermittel wollen wir in wissenschaftlicher Kooperation mit dem DLR ein Zentrum aufbauen, das nach etwa fünf Jahren kommerziell betrieben wird", erklärte der Geowissenschaftler. Insgesamt würden rund 30 Millionen Euro für das Projekt benötigt, wovon die Hälfte das GFZ und das DLR tragen wollen. Die fehlenden 15 Millionen Euro will man über fünf Jahre als Fördermittel von den beteiligten Bundesländern und dem Bundesverkehrsministerium einwerben. So werde es möglich, direkt aus der Forschung in die Wirtschaft hineinzugehen.
Ziel sei es, in Brandenburg Firmen anzusiedeln, die mit innovativer Satellitentechnik ihr Geld verdienen. "Ich sehe dies auch als einen Beitrag zur Förderung Ost", so Emmermann. Es bestehe bereits ein großes Interesse bei Firmen und Verbänden aus der Region an einem solchen Zentrum. Emmermann nannte unter anderem die Verbände Berlin-Brandenburg Aerospace, Geokomm und TelematicsPro. Er schätzt, dass allein in Potsdam bis zu 150 Arbeitsplätze entstehen könnten. "Natürlich erhoffen wir uns dazu die Unterstützung vom Land, die bereits signalisiert wurde".
Galileo ist im Gegensatz zu dem primär militärischen GPS-System vor allem für die zivile Nutzung vorgesehen. Der große Vorteil des GFZ-Vorhabens sei, dass man zusammen mit GPS und den russischen Glonass-System auf Daten von rund 90 Satelliten zurückgreifen kann. Dadurch sei eine enorm hohe Datengenauigkeit zu erreichen. "Darin kann uns dann keiner schlagen", sagte der Wissenschaftler.
Das Satellitennavigationssystem Galileo steckt allerdings gegenwärtig in der Krise. Es dürfte für den Steuerzahler deutlich teurer werden als geplant: Anstelle eines privaten Industriekonsortiums werde wohl weitgehend die öffentliche Hand den Aufbau des Prestigeprojekts übernehmen, räumte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee nun ein. Man halte aber an der Realisierung fest.
Diesen Beitrag von Jan Kixmüller haben wir den Potsdamer Neusten Nachrichten vom 09.05.2007 entnommen.