Definition:
Der Begriff "Geotainment" bezeichnet ein Marktsegment von Endkundenprodukten aus dem Lern-, Ausbildungs-, Unterhaltungs- und Spielebereich, die Geodaten als eine wesentliche Produktkomponente einsetzen.
Beispiele für Geotainment-Anwendungsfelder
- Stadtbildpläne:
Sie integrieren innerhalb einer geovirtuellen 3D-Umgebung digitale Geländemodelle, Luftbilder, Karten, Gebäudemodelle, Vegetationsmodelle und georeferenzierte Fachinformationen (z. B. ÖPNV-Netze). Ein virtuelles 3D-Stadtmodells dient als interaktives, intuitives User-Interface, das den Nutzer bei der Suche, z. B. durch automatisches Anfliegen von Zielpunkten, unterstützt.
- Besucherinformation:
In einem Eingangsbereich, am Informationskiosk oder als Boardinformation können durch Geotainment-Anwendungen raumbezogene Informationen in Form von Kurzfilmen vermittelt werden, die z. B. Werks- oder Firmengebäude, ihre Zuwegung und ihre Funktion animieren. Die kosteneffiziente und automatisierte Produktion ermöglicht ihre tagesaktuelle Herstellung.
- Schulwegsplanung:
Die Vermittlung des Schulwegs einschliesslich seiner Gefahren kann spielerisch vermittelt werden, sodass Kinder in einer geovirtuellen 3D-Umgebung die verkehrlich relevanten Komponenten erlernen. Das Spielprinzip liegt meist in der richtigen Bezeichnung, Positionierung und Gefahrenbewertung dieser Komponenten.
- Einordnung:
Geotainment-Produkte liegen im allgemeinen ausserhalb der klassischen Marktsegmente für Geodaten und setzen, wenn überhaupt, in noch geringem Umfang Geodaten ein. Stattdessen werden raumbezogene Daten häufig explizit erzeugt bzw. modelliert und sind somit weder kosteneffizient noch aktuell noch umfassend nutzbar.
Anforderungen
Für den Einsatz von Geodaten im Geotainment lassen sich eine Reihe von Anforderungen an die Geoinformationswirtschaft identifizieren:
- Geodatenintegration:
Geodaten sind so aufzubereiten und zu integrieren, dass sie für Geotainment-Systeme direkt nutzbar sind sowie um die Zahl der zu verarbeitenden GIS-Formate zu reduzieren und die Geodaten in der erforderlichen Qualität bereitzustellen.
- Geospatial Digital Rights Management:
Geodaten stellen ein wesentliches Kapital von Anwendungen dar, die in den Produkten so zu schützen sind, dass sie durch Dritte nicht herausgelöst bzw. extrahiert werden können.
- Systemkomponenten für Geovisualisierung:
Geotainment-Produkte benötigen leistungsfähige Visualisierungssysteme, die effizient und computergrafisch hochwertig Geodaten visualisieren. Solche Systemkomponenten senken die Entwicklungs- und Herstellungskosten von Geotainment-Produkten drastisch.
Spezialisierte Unternehmen der Geoinformationswirtschaft verfügen bereits heute über entsprechende IT-Lösungen, so dass die Konzeption, die Planung und die Konstruktion dieser Endkundenprodukte maßgeblich unterstützt werden kann.
Ansprechpartner:
Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Jürgen Döllner,
www.hpi.uni-potsdam.de/3d